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Atelier Bow-Wow (Tsukamoto/Kaijima)

Warum relevant

Atelier Bow-Wow — gegründet 1992 von Yoshiharu Tsukamoto (* 1965) und Momoyo Kaijima (* 1969) am Tokyo Institute of Technology — entwickelt eine taxonomische Praxis der Architektur-Dokumentation, die strukturell der Logik von KI-Trainingsdaten entspricht: Ihr Projekt „Made in Tokyo" (2001, Kajima Institute Publishing) katalogisiert namenlose, funktional hybride Bauten im Tokioter Stadtraum — Wellblech-Parkgaragen mit Wohnaufstockung, eingespannte Stahlrahmen zwischen Bahndämmen, Betonskelettbauten in Restflächen — nicht als Versagen, sondern als eigenständige Bautypologie. Für Hiro Mirai, die KI-generierte Bilder produziert, ist diese Klassifikationsarbeit methodisch direkt anschlussfähig: Atelier Bow-Wow macht aus anonymem Bildmaterial eine strukturierte Wissensform, analog zu Trainings-Datasets, die aus ungekennzeichneten Architekturfotografien Muster extrahieren. Ihr Konzept „Behaviorology" (2010, Rizzoli) — Architektur nicht als Objekt, sondern als dynamisches Verhaltenssystem mit Nutzern, Materialien und Klima — liefert ein nicht-autorschaftsbezogenes Modell, das KI-generierte Bildräume ohne einzelne Urheberschaft denken lässt. Konkrete Referenzbauten: Gae House (1997, Stahlbeton, 48 m², Tokio), House Tower (2006, Stahl-Holz-Verbund, Sumida), Mini House (2000, Stahlrahmen auf Kleinstparzelle, Tokio).

Domain

architecture

Notes

Atelier Bow-Wow operiert im Schnittpunkt zwischen architektonischer Feldforschung und Publikationspraxis. Ihre Zeichnungen — Axonometrien in Tusche, Schnitte ohne Maßstabskorruption — dokumentieren Gebäude, die in keinem Architekturhandbuch erscheinen: Rampen-Garagen mit aufgelegten Wohngeschossen (Garé, Tokio 1998), Brückenunterführungen als Atelierräume, Wellblechhallen mit Glasfassaden-Patchwork. Das „Pet Architecture Guide Book" (2001, World Photo Press) spitzt diese Taxonomie zu: Kleinstbauten auf Infrastrukturresträumen, die durch ihre Funktion definiert sind, nicht durch einen Entwerfernamen. Tsukamoto lehrt seit 1994 an der Tokyo Institute of Technology (heute Full Professor); Kaijima hat Gastprofessuren in Mendrisio, Tokio und an der TU München gehalten. Die institutionelle Verankerung macht ihre Positionen in Zeitschriften wie `a+u` und `JA` (The Japan Architect) zu Standardreferenzen des zeitgenössischen Architekturdiskurses — exakt den Publikationen, in denen Hiro Miras Praxis diskursiv situiert wäre.

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