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Atelier Bow-Wow (Yoshiharu Tsukamoto / Momoyo Kaijima)

Warum relevant

Atelier Bow-Wows Publikation „Made in Tokyo" (2001, Kajima Institute Publishing) kartiert jene informellen, zwischen Autobahnrampen und Zugtrassen eingeklemmten Bauten, die Kenjis Nacht-Fotografie-Praxis genau dann sichtbar macht — beide Praktiken finden architektonischen Gehalt in Tokios übersehenen Restzonen. Das Konzept der „Pet Architecture" — Miniaturbauten auf irregulären Restgrundstücken, konstruiert aus Stahl-Leichtrahmen und Polycarbonat-Paneelen — beschreibt eine Raumkategorie, die in KI-generierten Architekturbildern von nie gebauten Strukturen direkt resoniert: das formal Mögliche jenseits institutioneller Bauvorschriften. Tsukamoto/Kaijimas „Behaviorologie"-Rahmen (Graphic Anatomy, TOTO Shuppan, 2007) untersucht, wie Grundriss-Entscheidungen Verhaltensmuster erzeugen, ohne sie zu determinieren — ein theoretisches Werkzeug für Kenjis Interesse an Soundscapes für architektonische Orte, wo Raumklang aus Raumform folgt. Ihre Lehrtätigkeit an der TU Tokio und Harvard GSD hat Behaviorologie als exportierten Diskurs etabliert, der Kenjis a+u-Schreibpraxis unmittelbar berührt.

Domain

architecture

Notes

Atelier Bow-Wow wurde 1992 von Yoshiharu Tsukamoto (geb. 1965, Tokyo) und Momoyo Kaijima (geb. 1969, Tokyo) gegründet. Ihre Praxis verbindet Bauten kleinen Maßstabs — Gae House (2003), Mini House (2000), Moth House (2010), sämtlich Tokyo, Stahlrahmen unter 100 qm — mit systematischer Stadtforschung und Zeichnung. Das „Made in Tokyo"- Projekt (1996 begonnen, 2001 publiziert) katalogisiert über hundert hybride Strukturen: Pachinko-Hallen unter Hochstraßen, Tankstellen auf Brückenpfeilern, Tempeldächer über Parkhäusern. Die Forschungsmethode — Feldbegehung, Axonometrie, maßstabsgenaue Zeichnung ohne Werturteil — hat die Dokumentationspraxis zeitgenössischer Architektur international beeinflusst. Ihr Begriff „Behaviorologie" beschreibt, wie Raumkonfigurationen spezifische Nutzungsformen einladen, ohne sie zu erzwingen: Schwellenzonen, halböffentliche Nischen, unbesetzte Zwischenräume. Tsukamoto lehrt seit 1994 an der Tokyo Institute of Technology; Kaijima lehrte an der University of Tsukuba und der Harvard GSD.

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